Noch 8 Tage – Ist ein angstfreies Nein möglich?

Short note for English speakers ex ante: Due to a high level of stress today I’m too busy and too tired to translate all the following into English. Told in a nutshell, I ask if it’s possible to vote No without fear because recently quite some people bore witness – be it true or not, I cannot judge, I can only say that I haven’t experienced this myself so far – for intimidation and bullying when they questioned beliefs and arguments of Yes-supporters in particular. I’m trying to illustrating the current situation below.

Even if I wasnt voting Yes,I think the No campaign would have made me. An incompetent & at times laughable attempt to scare & bully #indyref

Was Harold Annand heute auf Twitter schrieb, ist eine Einzelmeinung, die aber in verschiedenen Variationen seit Wochen und Monaten zu lesen und zu hören ist, daher durchaus für viele steht. Better Together wird nicht grundlos Project Fear genannt. Aber während die Stimmung in Schottland zugunsten des Ja umzuschlagen scheint und Westminster, wie ich gestern schon darlegte, erstmals ernste Sorgen zeigt, Schottland potenziell zu verlieren, weht offenbar auch in der Diskussion an der Basis ein neuer Wind. Eine steife Brise, wenn es darum geht, Ja-Argumente infrage zu stellen oder überhaupt noch Antworten zu verlangen.

Schon vor einigen Tagen, als ich ebenfalls auf Twitter das Wee Blue Book und eine Gegendarstellung zur Diskussion stellte (die sich leider nicht ergeben hat; auch Nachfragen bei einem politisch interessierten Bekannten in Schottland beantworteten mir leider nicht, welche beider Seiten aufgrund welcher unwiderlegbarer Argumente glaubwürdiger ist), meldete sich Sasha Mackay zu Wort, wetterte vehement gegen das Wee Blue Book und schien recht verwundert, dass ich seine Meinung einfach zur Kenntnis (und zum Anlass, nach der oben erwähnten Gegendarstellung zu schauen) nahm, statt zum Gegenangriff überzugehen. Verwundert, denn er behauptet:

@MariaPakura ams [sic!] I just got blocked by someone for yes for questioning a sweeping assertion he made & this happens time & time again. That

Da versicherte ich noch – und das entspricht bis dato tatsächlich meinen persönlichen Erfahrungen -, dass die Diskussion doch respektvoll geführt werde und jeder angstfrei seine Meinung sagen könne, sei es im virtuellen Raum oder sonstwo. Aber stimmt das wirklich? Diese Frage musste ich mir heute erneut stellen, als ich die Eilmeldung online stellte, Alex Salmond stehe abends via facebook jedem Interessierten Rede und Antwort (jedem Interessierten in Schottland, wie sich herausstellte; der Zugriff auf den Live-Stream war aus Deutschland nicht möglich), und Mike Ross via Twitter darauf mit der lethargischen Frage reagierte, ob via facebook Antworten zu erwarten seien, wenn sie in den TV-Debatten schon nicht gegeben wurden. Ich empfahl daraufhin, er möge es doch einfach versuchen und seine Fragen stellen, woraufhin er erwiderte:
@MariaPakura @AlexSalmond I’d only get shouted down, or intimidated by a bully. I’ll not bother, but thanks for the info 🙂
Ich habe mich dann mal umgeschaut und bin unter anderem auf folgende Tweets gestoßen, die ebenfalls in eine ähnliche Richtung zielen (jeweils in Klammern dahinter der Name des Absenders):
It’s interesting how intimidated No Voters act when interviewed. I concur the Yes campaigners have bullied rather than inform. #indyref (Georgi Bomb)
I am horrified & disgusted that No voters are scared & feel intimidated to show support. What has this country become 😦 #indyref (Mark Attwood)
Attacking the person and not the message seems to be what most Yes voters do. Stick to ur beliefs, dnt [sic!] be bullied into saying yes #indyref  (Will Cook)
Absolute disgrace that people are being intimidated for standing up for their belief in #bettertogether stand strong #indyref  (Michael)

Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt und nicht repräsentativ. Und es sind ebenfalls viele bittere Vorwürfe zu finden, mit denen Yes-Voter die Gegenseite etikettieren. Ich möchte hier außerdem nicht bewerten müssen, ob das Behauptungen oder Tatsachendarstellungen sind. Aber zumindest steht im Raum, dass die Euphorie speziell der Ja-Unterstützer in einen Fundamentalismus umzuschlagen droht, der in mir die Sorge hervorruft, diese Menschen könnten wie Lemminge ihrem Ruf folgen, ohne ihn – und die Gegenseite – noch in gesunder Weise infrage zu stellen. Es kristallisiert sich nämlich heraus, dass die Diskussion an manchen Stellen mittlerweile nicht mehr sachlich ist. Dass die Emotionen überkochen würden und letztlich starken Einfluss auf die Abstimmung haben können, habe ich bereits hier prophezeit.

Bleibt zu hoffen, dass alle Schotten, ganz gleich welcher Meinung sie auch sein mögen, weder aus purer Sympathie noch aus Angst vor Zank und Hänseleien ihre Entscheidung treffen. Beides wäre meiner Auffassung nach keine gute Basis. Für wen die Argumente beider Seiten gleich schwer wiegen oder in gleicher Weise an Schwere vermissen lassen und der sich daher auf sein Bauchgefühl verlassen will, der sollte zumindest nicht mit Bauchweh da rangehen müssen.

Welchen Start hätte Schottland sonst in eine Unabhängigkeit, wenn die Menschen zu einer Entscheidung getrieben würden, die davon abhängt, was andere sagen?

©Maria Pakura

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